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Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho: "Vom kleinen Glück" · 27.07.10

Ein reicher Mann bat einen Zen-Meister um eine Text, der ihn immer daran erinnert, wie glücklich er mit seiner Familie sei. Der Zen-Meister schrieb in schönster Kalligrafie auf einen Bogen Reispapier:

“Der Vater stirbt. Der Sohn stirbt. Der Enkel stirbt.

“Wie bitte? Ich hab Sie um etwas gebeten, das mich inspiriert, einen Lehrsatz, der von meinen Nachfahren immer voller Achtung betrachtet wird, und sie schreiben diese deprimierenden Sätze?”

“Sie haben mich um etwas gebeten, das sie immer daran erinnert, was für ein Glück es für Sie bedeutet, mit ihrer Familie zusammenzuleben. Stirbt Ihr Sohn vor Ihnen, werden alle vom Schmerz zerstört sein. Stirbt Ihr Enkel, wird dies unerträglich für alle sein.
Scheidet aber Ihre Familie in der Reihenfolge aus dem Leben, wie ich sie aufgezeichnet habe, entspricht dies der natürlichen Ordnung das Lebens. So wird, mögen alle auch schmerzliche Augenblicke durchmachen, die Familie lange weiterbestehen.

Der Glaube zählt
Ein Samurai, der bei allen für seinen Edelmut und seine Ehrlichkeit bekannt war, suchte einen Zen-Mönch auf, um ihn um Rat zu fragen. Als er in den Tempel trat, in dem der Meister meditierte, fühlte er sich wertlos und kam zum Schluss, dass er, obwohl er sein ganzes Leben für Gerechtigkeit und Frieden gekämpft hatte, längst nicht den Zustand der Gnade erreicht hatte wie dieser Mann.

“Warum fühle ich mich so wertlos?”, fragte er den Mönch, als dieser fertig meditiert hatte.
“Ich habe dem Tod häufig ins Auge geblickt, habe die Schwächeren verteidigt, weiß, dass es nichts gibt, für das ich mich schämen müsste. Dennoch hatte ich, als ich Sie meditieren sah, das Gefühl, dass mein Leben vollkommen unbedeutend ist.”

“Warten Sie. Wenn heute Abend mein letzter Besucher gegangen ist, werde ich Ihnen die Antwort geben.”

Der Samurai saß den ganzen Tag lang im Garten des Tempels und beobachtete die Menschen, die kamen, um sich Rat zu holen, und wieder gingen. Er sah, wie der Mönch sie alle mit derselben Geduld, demselben strahlenden Lächeln empfing.
Sein eigener Gemütszustand aber verschlechterte sich zusehends, denn es war nicht geboren, um zu warten, sondern, um zu handeln.
Als alle gegangen waren, fragte er den Meister:
“Können Sie mir jetzt einen Rat geben?”
Der Meister bat ihn einzutreten. Der Vollmond schien am Himmel, alles strahlte große Ruhe aus.
“Sehen Sie, wie schön der Mond ist? Er wird das Firmament durchmessen, und morgen wird wieder die Sonne scheinen. Nur ist das Sonnenlicht heller und macht alle Einzelheiten der Landschaft sichtbar: Bäume, Berge, Wolken.
Mond wie Sonne habe ich im Laufe der Jahre immer wieder betrachtet, aber nie habe ich den Mond sagen hören: Warum bin ich nicht so hell wie die Sonne?”
“Selbstverständlich ist er das nicht”, antwortete der Samurai.
“Sonne und Mond sind grundverschieden, und jeder von ihnen hat seine eigene Schönheit. Man kann sie nicht miteinander vergleichen.”

“Da haben Sie die Antwort auf Ihre Frage.
Wir sind zwei verschiedene Menschen, jeder kämpft auf seine Weise für das, woran er glaubt, und tut alles Menschenmögliche, um die Welt zu einer besseren Welt zu machen. Alles andere sind nur Äußerlichkeiten.

“Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com

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