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Impressionen und Geschichten



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Paulo Coelho: "Sei du selbst" · 28.07.10

Bei einer Tasse Kaffee in der einzigen Bar von Saint-Savin fragte ein Freund Pilar, ob sie den Philisophen Bozogmehr kenne. Pilar schüttelte den Kopf.

“Das ist ein alter persischer Mystiker. Und der sagte einmal:
‘Ich musste mich schon vielen Feinden stellen, aber keiner war so schwer zu besiegen wie der Feind, den ich in mir trage. Ich habe schon mit vielen Rivalen gekämpft, aber die schlimmsten waren jene, die sich meine Freunde nannten.

Ich habe schon viele köstliche Speisen gegessen und mich schon heftig verliebt, aber mir ist nichts besseres passiert, als eine gute Gesundheit zu haben. Ich bin schon viele Male angegriffen und verletzt worden, aber die schmerzhaftesten Wunden wurden mir aus dem Munde des Menschen zugefügt, die ich für edel gehalten hatte.’”

Er machte eine Pause.
“Kennst du übrigens schon die Übung vom Anderen? Sie gehört zu einer vor hundert Jahren geschriebenen Geschichte, deren Autor…”
“Vergiss den Autor, erzähl mir einfach die Geschichte”, sagte Pilar, während sie über den einzigen Platz von Saint-savin gingen.

“Ein Mann saß mit seinen Freunden in einer Bar, als ein alter Freund hereinkam, der bislang erfolglos versucht hatte, sein Leben auf die Reihe zu bekommen.
Ich werde ihm wohl ein bisschen Geld geben müssen, dachte der Mann. Doch der besagte Freund war jetzt reich und nur gekommen, um die Schulden zu bezahlen, die er im Laufe der Jahre angehäuft hatte.
Er zahlte nicht nur das geliehene Geld zurück, sondern auch noch eine Lokalrunde. Als an ihn nach dem Grund des großen Erfolg fragte, antwortete er, dass er bis vor Kurzen immer den Anderen gelebt habe.

“Was ist der Andere”, fragte man ihn.
“Der Andere ist der, der zu sein man mir beigebracht hat, der ich aber nicht bin. Der Andere glaubt, er sei dazu verpflichtet, sein ganzes Leben damit zu verbringen, zu überlegen, wie er Sicherheit erlangen kann, um im Alter nicht an Hunger zu sterben.
Er macht viele Pläne, dass er erst, wenn seine Tage fast zu Ende sind, entdeckt, dass er lebt.”

“Und wer bist du?”
“Ich bin, wenn ihr so wollt, wie jeder von uns: jemand, der das Wunder des Lebens staunend betrachtet. Nur hat mich der Andere aus Angst, dass ich enttäuscht werde, nie handeln lassen.”

“Aber es gibt doch Leiden”, meinte einer der Anwesenden.
“Niemand entgeht dem Leiden. Deshalb ist es besser, ein paar Schlachten im Kampf um den eigenen Traum zu verlieren, als besiegt zu werden, ohne zu wissen, worum man kämpft.
Als ich das herausgefunden habe, bin ich aufgewacht und habe mich entschlossen, genau der zu sein, der ich immer sein wollte.

Der Andere blieb in meinem Zimmer zurück. Anfangs wollte er sich damit nicht abfinden, wollte unbedingt wieder meine Seele besitzen. Aber ich habe es nie wieder zugelassen – auch wenn es das eine oder andere Mal versucht hat, mir Angst einzujagen, wenn er mich auf die Risiken hingewiesen hat, die entstehen könnten, wenn ich nicht an die Zukunft denke.

Von dem Augenblick an, in dem ich den anderen aus meinem Leben vertrieben habe, hat die göttliche Energie ihre Wunder vollbracht.”

“Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com

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