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Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho: "An Wunder glauben" ·  7.11.11

*Der Atheist und der Bär
Cristina Marins, eine Freundin, hat mir folgende Geschichte geschickt:
Ein Atheist ging durch einen Wald und bewunderte, was dieser “Unfall der Evolution” alles geschaffen hatte.
“Welch majestätische Bäume! Welch mächtige Flüsse! Welch wunderschöne Tiere! Und das alles ist zufällig entstanden, ohne dass irgendjemand eingegriffen hat! Weil sie fürchten, ihr eigenes Leben und das Universum nicht erklären zu können, haben es nur schwache und unwissende Menschen nötig, die Entstehung dieser ganzen Herrlichkeit einem höherem Wesen zuzuschreiben.”

Als er an einem Fluss entlangging, hörte er in den Büschen hinter sich ein Geräusch. Er drehte sich um, und ein mächtiger, zwei Meter großer Bär kam auf ihn zu. Der Mann rannte , ohne weiter nachzudenken, so schnell er konnte, los.
Aber während ihm allmählich die Luft ausging, kam der Bär immer näher. Er versuchte, noch schneller zu laufen, aber es gelang ihm nicht. Er stolperte schließlich und stürzte.
Er rollte flink auf dem Boden ab und versuchte aufzustehen. Doch der Bär stand schon über ihm und packte ihn mit seinen scharfen Krallen. Das war das Ende seines Lebens. In genau dem Augenblick, wo er nichts mehr zu verlieren hatte, rif der Atheist zum Himmel:
“Mein Gott!”

Und es geschah ein Wunder: Die Zeit blieb stehen, der Bär regte sich nicht mehr, der Wald war still und der Fluss hatte aufgehört zu fließen. Ganz allmählich wurde es ringsum hell und er hörte eine laute Stimme, die sagte:
Was wünschst du? Da hast in allen Jahren meine Existenz geleugnet, hast andere gelehrt, dass es mich nicht gibt, und die Schöpfung nur als einen kosmischen Unfall bezeichnet. Du warst der Meinung, dass die Welt eine Kombination aus Zufall und Notwendigkeit sei, dass wissenschaftliche Theorien ausreichen, um alles zu erklären, und dass Religion nur eine Möglichkeit sei, das Volk zu betrügen. Und jetzt, wo du in Nöten bist, wendest du dich an mich? Wirst du, wenn ich dir helfe, deine Meinung ändern?”

Der Atheist antwortete, indem er verwirrt in das Licht blickte, das alles umhüllte:
“Es wäre meinerseits nicht ehrlich, meine Meinung zu ändern, nur weil ich kurz davor stehe, zu sterben. Mein ganzes Leben lang habe ich gelehrt, dass es dich nicht gibt, und ich muss meinen Überzeugungen bis zuletzt treu bleiben.”

Da fragte Gott:
“Was also erhoffst du dir von mir?”
Der Atheist überlegte kurz, und ihm war klar, dass diese Diskussion ewig währen könnte. Schließlich sagte er:
“Ich kann mich nicht ändern, aber der Bär kann es. Also bitte ich dich, dieses wilde, mörderische Tier in ein christliches Tier zu verwandeln.”
“So sei es.”
Das Licht verschwand im selben Moment, die Vögel im Wald sangen erneut, der Fluss floss wieder.
Der Bär ließ vom Mann ab, hielt kurz inne, senkte den Kopf und sagte aus tiefer Seele:
“Herr, ich möchte dir für deine Großzügigkeit danken und für diese Nahrung, die ich jetzt fressen werde.”

Chuang Tzu und der Schmetterling
Der große taoistische Meister Chuang Tzu legte sich , nachdem er an einem sonnigen Tag lange gewandert war, unter einen Maulbeerbaum und fiel in einen tiefen Schlaf.

Er träumte, er sei ein Schmetterling, der über die Felder flog, an denen er vorbeigekommen war, und der alles sah, was auch er im Laufe des Tages gesehen hatte. Plötzlich wachte er auf und sagte zu sich selbst:
Ich stehe vor dem kompliziertesten philosophischen Problem meines Lebens. Wer bin ich? Bin ich ein Mann, der geträumt hat, er sei ein Schmetterling? Oder bin ich ein Schmetterling, der sich in einen Menschen verwandelt hat?”

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