Wir sitzen in New York in der Wohnung eines Malers aus Sao Paulo zusammen. Wir unterhalten uns über Engel und Alchimie. Irgendwann versuche ich , den Gästen die Vorstellung der Alchimisten zu erklären, derzufolge jeder von uns das ganze Universum enthält – und für das Universum die Verantwortung die Verantwortung trägt.
Ich suche nach Worten, doch ich finde kein geeignetes Bild. Der Maler, der schweigend zugehört hatte, bittet uns, aus dem Fenster seines Studios zu schauen.
“Was seht ihr?”
“Eine Straße des Greenwich Village”, antwortete jemand. Der Maler verklebt das Fenster mit Papier, sodass man die Straße nicht mehr sehen kann. Mit dem Messer schneidet er ein kleines Quadrat heraus.
“Und wenn ihr jetzt durchschaut, was seht ihr dann?”
“Dieselbe Straße”, antwortete ein anderer Gast.
Der Maler schneidet mehrere Quadrate ins Papier.
“So wie jedes Quadrat dieselbe Straße enthält, enthält ein jeder von uns dasselbe Universum”, sagte er.
Und alle Anwesenden applaudierten ihm wegen des treffenden Bildes, das er gefunden hat.
Höre nicht auf den Nachbarn
“Gib dem Narren tausend Meinungen, er wird nur deine wollen”, besagt ein arabisches Sprichwort. Wenn wir den Garten unseres Lebens bepflanzen, bemerken wir irgendwann unseren Nachbarn, der uns beobachtet. Selber bringt er nichts zuwege, aber er gibt gern Ratschläge, wie wir unsere Taten aussähen, unsere Gedanken pflanzen, unsere Eroberungen begießen sollen.
Hören wir auf unseren Nachbarn, dann arbeiten wir am ende für ihn, und der g-arten unseres Lebens seinen Vorstellungen. Bis wir am Ende die mit viel Schweiß und mit vielen Segnungen gedüngte Erde gar nicht mehr als unsere erkennen und auch nicht, dass jeder Zentimeter Erde Geheimnisse hat, die nur die geduldige Hand des Gärtners deuten kann.
Wir achten gar nicht mehr auf Sonne, Regen, wechselnde Jahreszeiten, sondern sind nur noch auf die Ratschläge unseres Nachbarn fixiert, der uns uns über den Zaun hinweg ausspäht. Er gibt uns Ratschläge für unseren Garten, aber der Narr kümmert sich nie um seine eigenen Pflanzen.
Briefe an das Herz
Als ich im Jahr 1993 den “Alchimisten” in den Vereinigten Staaten vorstellte, habe ich einen wunderbaren Menschen kennengelernt, Vania Williamson. Jetzt entdecke ich, dass sie ein Buch in Brasilien herausgibt:
Briefe an das Herz”, aus dem ich einen Absatz wiedergebe:
“Mein Herz:
Ich werde dich niemals verdammen, dich niemals kritisieren, oder mich deiner Worte schämen. Ich vertraue dir, mein Herz. Ich bin an deiner Seite, werde in meinen Gebeten immer um Segnungen für dich bitten, immer darum bitten, dass dir die Hilfe und die Unterstützung zuteil werden, die du brauchst.
Und ich bitte dich:
Vertraue mir. Du sollst wissen, dass ich dich liebe und versuche, die die Freiheit zu geben, die du brauchst, um weiter froh in meiner Brust zu schlagen. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, tun, damit du dich nicht durch meine Anwesenheit um dich herum bedrängt fühlst.”
“Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com
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