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Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho: "Konflikte lösen" ·  8.03.14

  • Die Bauersfrau und der Kaiser*
    Um die Mittagszeit legte Kaiser Akbar im Wald auf der Jagd eine Pause ein, kniete nieder und betete. Da stolperte eine Bauersfrau, die auf der Suche nach ihrem Mann durch das Gehölz irrte, über den knienden Kaiser. Ohne ein Wort der Entschuldigung rannte sie weiter. Kaiser Akbar missfiel dies, doch als guter Moslem unterbrach er nicht sein Gebet. Als die Bauersfrau eine halbe Stunde später fröhlich mit ihrem Gemahl zurückkehrte, wurde sie abgeführt und zu Akbar gebracht.
    “Erkläre mir dein respektloses Benehmen, sonst wirst du verurteilt!”
    , brüllte der Kaiser.
    “Ich war so in Gedanken an meinen Mann versunken, dass ich nichts gesehen habe. Ihr, Hoheit, dachtet an jemand viel Wichtigeren als an meinen Mann, wie kann es angehen, dass Ihr mich nicht gesehen habt?”
    Der Herrscher erwiderte nichts.Später gestand er seinen Freunden, eine einfache Bauersfrau habe ihn den Sinn des Betens gelehrt.

Die Amsel und die anderen Vögel
Eine alte Amsel fand eine Brotkrume und flog davon. Die jüngeren Vögel, die sie beobachtet hatten, flatterten sofort auf, um über sie herzufallen.
Als die Amsel sah, dass die anderen ihr die Brotkrume abjagen wollten, ließ sie diese in den Rachen einer Schlange fallen und dachte bei sich:
“Wenn man alt ist, sieht man das Leben anders: Es ist war, ich verliere mein Essen, aber morgen finde ich vielleicht eine andere Brotkrume.
Hätte ich sie unbedingt behalten wollen, würde ich einen Krieg am Himmel anzetteln; die anderen würden sich aus Neid auf den Sieger stürzen und ihn bekämpfen, und der Hass in den Herzen von uns Vögeln würde lange Zeit kein Ende nehmen.
Die Weisheit des Alters ist es zu verstehen, wie man Siege gegen langfristige Eroberungen eintauscht.”

Der Kummer meines Vaters
Anthony de Mello erzählt die Geschichte von dem Rabbiner Abraham, der ein mustergültiges Leben geführt hatte. Als er starb, kam er geradewegs ins Paradies, und die Engel hießen ihn mit Lobeshymnen willkommen.
Trotzdem blieb Abraham abwesend und besorgt, ließ den kopf hängen und verweigerte sich jeden Trost. Schließlich wurde er vor den Allmächtigen geführt und vernahm eine Stimme, die ihn unendlich zärtlich fragte:
“Mein geliebter Diener, was trägst du Bitteres in deinem Herzen?”
“Ich der Ehrungen nicht würdig, die mir zuteil werden”, antwortete der Rabbiner. “Man sah in mir zwar ein Beispiel für mein Volk, doch muss ich etwas Grundfalsches getan haben. Mein einziger Sohn, dem ich die besten Lehren gab, ist Christ geworden.”
“Gräme dich nicht deswegen”, sagte die Stimme des Allmächtigen. !Auch ich hatte einen einzigen Sohn, und der tat das Gleiche wie deiner!”

Der Moment der Morgenröte
Während des Weltwirtschaftsforums in Davos erzählte der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres folgende Geschichte:
Ein Rabbiner rief seine Schüler zusammen und fragte:
Wie erkennen wir den genauen Moment, in dem die Nacht endet und der Tag beginnt?”
“Wenn wir aus der Ferne ein Schaf von einem Hund unterscheiden können”, antwortete ein kleiner Junge.
“Wir wissen , dass Tag ist”, sagte ein anderer, “wenn wir aus der Ferne eine Olive und einen Feigenbaum auseinanderhalten können.”
“Das ist keine gute Erklärung.”
“Was ist dann die Antwort?” fragten die Buben. Und der Rabbiner sagte:
Wenn ein Fremder naht und wir ihn mit unserem Bruder verwechseln und das Streiten ein Ende nimmt, dann ist der Moment gekommen, wo die Nacht aufhört und der Tag beginnt.”

Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com

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