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Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho:"Was mache ich eigentlich? 1 ·  8.03.14

Meine Leser beschweren sich immer wieder darüber, dass ich wenig von mir erzähle. Das stimmt nicht, denn ich spreche viel über meine Gedanken, über meine Erkundung der imaginären Welt. Doch sie lassen nicht locker:
“Aber wie sieht Ihr Privatleben aus?” Und da habe nun ein Heft genommen und darin eine Woche lang mehr oder weniger aufgezeichnet, was in sieben Tagen so alles passiert:

Sonntag: 1) Ich fahre mit dem Wagen schweigend die 540 Kilometer von Paris nach Genf. Sechs Stunden ohne irgendeine wichtige Schlussfolgerung oder außergewöhnliche Erleuchtung. Da ich meine Arbeit liebe, habe ich es mir zur Regel gemacht, sonntags nicht an sie zu denken, und versuche, mich daran zu halten.

*2) Tankstelle:*ich sehe eine hochinteressante Sammlung von Metallmodellen. Überlege ob ich alle kaufen soll, stelle mir dann aber vor, dass ich später, wenn ich in mein Haus in Südfrankreich fliegen werde, Übergepäck haben werde und viele auf der Reise zerbrechen könnten. Ich werde sehen, ob ich sie im Internet kaufen kann.

Montag: 1) Der Wecker klingelt um Viertel nach zehn und nach Plan B (Menschen, die im Zeichen der Jungfrau geboren sind, haben immer einen Plan B), ruft auch der Weckdienst an. Ich bin als Mitglied des Vorstandes einer renommierten Stiftung hier und frage mich, ob ich die in rot-weiß-schwarzem Leder gearbeiteten Cowboystiefel anziehen soll. Ich beschließe, sie zu tragen – Künstlern sieht man einiges nach.

2) Schnelles Frühstück mit meinem Freund, der in einer Bank arbeitet. Ich frage ihn, was er über die augenblickliche Krise denkt – und er gibt mir ein paar Antworten, an die nicht einmal er selbst glaubt. Ich zeige ihm die Zeitung das Tages: Eine Konferenz von Bankmanagern zur Überwindung der Krise. Einer sagt, sie kennten die “Finanzprodukte”, die sie verkaufen, selber nicht genau. Gut dass mein Geld auf dem Sparbuch liegt: Die im Zeichen der Jungfrau Geborenen gehen auf diesem Gebiet kein Risiko ein.

3) Ich esse mit den Vorstandsmitgliedern der Stiftung zu Mittag. Frage, was sie von der Situation in Georgien halten. Niemand will darüber sprechen, aber meine Cowboystiefel finden sie alle fantastisch.

4) Die Versammlung ist großartig, stressfrei. Ich lerne viel. Als ich schließlich in den Wagen steige, vergesse ich die Dokumente auf dem Dach.

5) Als ich losfahre, flattern die Dokumente auf die Straße. Ich verbringe ein halbe Stunde damit, alles einzusammeln, während Wagen hupen und ihre Fahrer mich beschimpfen. Ein Mitglied des Vorstandes kommt vorbei, hält ein Stückchen weiter an, fragt, ob ich Hilfe brauche. Ich verneine das, es reicht, wenn einer aus einem so dummen Grund sein Leben riskiert.

6) Dank der Freisprechanlage kann ich während des Autofahrens auch telefonieren. Ich bitte Monica, meine Agentin, sie möge Prag und Berlin absagen (wenn ich reise, nimmt meine Lust , noch mehr zu reisen, rapide ab). Sie sagt, wir müssten uns treffen, um noch “ein paar Einzelheiten abzusprechen”. Am besten in Paris. Ich rufe Paula, meine Assistentin an, um zu fragen, warum mein Blog gestern so wenige Beiträge hatte – sie erklärt mir, die Konfiguration sei geändert worden und sie habe gerade hundert Beiträge genehmigt und hochgeschaltet.

7) Ich komme um elf Uhr nachts in Paris an. Ich hatte schon befürchtet, mich würde ein Haufen Dinge erwarten, die ich zu erledigen hätte, aber da liegen nur zwei Pakete mit Büchern zum Signieren und ein paar Briefe. Aber ich war auf Reisen. War in einem anderen Land! Mir wird klar, dass ich nur etwas mehr als 24 Stunden weg war.

8) Abendessen. Ich schalte den Computer ein, um American History X herunterzuladen. Nachdem ich ein paar Seiten von “My Year Inside Radical Islam” von Daveed Garnstein-Ross gelesen habe, gehe ich gegen zwei Uhr nachts schlafen. Das Buch ist ausgezeichnet, aber ich komme nicht sehr viel weiter.

Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com

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