Skip navigation | Zum Inhalt
This page is developed for browsers which support Cascading Style Sheets.
If you can read this text you should better consider to update to a graphical browser supporting the web standard.

In fact, this page content might be viewed with any browser.

juergenbeilicke.de

Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho: "Eine Begegnung in der Galerie" · 12.03.14

Drei sehr gut gekleidete Herren erschienen in meinem Hotel in Tokio.
“Gestern haben Sie in der Dentsu-Galerie einen Vortrag gehalten”, sagte einer von ihnen. “Ich bin zufällig da vorbeigekommen und ausgerechnet in dem Augenblick eingetreten, als Sie sagten, dass keine Begegnung zufällig sei. Vielleicht sollten wir uns vorstellen.”

Ich fragte sie nicht, wie sie hergefunden hatten, in welchem Hotel ich untergebracht war, ich fragte überhaupt nichts. Menschen, die solche Hindernisse überwinden, verdienen unseren Respekt. Einer der drei Herren überreichte mir ein paar Bücher mit japanischen Schriftzeichen. Mein Dolmetscher war ganz aufgeregt: Der Herr sei Kazuhito Aida, der Sohn eines großen japanischen Dichters, von dem ich noch nie gehört hatte. Diese geheimnisvolle Gleichzeitigkeit hat mich mit dem großartigen Werk des Dichters und Kalligrafen Mitsou Aida (1924-1998) bekannt gemacht, dessen Gedichte uns zeigen, wie wichtig Einfachheit ist.
Heute möchte ich einige von Mitsuo Aidas Gedichten mit den Lesern dieser Kolumne teilen:

*Weil er sein Leben intensiv gelebt hat, weckt selbst trockenes Gras noch die Aufmerksamkeit der vorübergehenden.
Blumen blühen nur, und tun dies, so gut sie können.
Die weiße Lilie im Tal, die niemand sieht, braucht sich niemandem zu erklären; sie lebt nur für die Schönheit. Die Menschen hingegen wollen dieses “nur” nicht akzeptieren.

***

Wollten die Tomaten Melonen sein, wären sie lächerlich. mich wundert sehr, dass so viele Menschen sich bemühen, der zu sein, der sie nicht sind; was ist verlockend daran, lächerlich zu sein?

***

Du brauchst nicht immer vorzugeben, dass du stark bist, solltest nicht immer beweisen, dass alles gut geht, solltest dich nicht nicht um das kümmern, was die anderen denken, weine, wenn dir danach ist, es tut gut zu weinen, bis keine Träne mehr übrig ist (denn nur dann kannst du wieder lächeln).*

Manchmal sehe ich mir im Fernsehen Einweihungszeremonien von Tunnels oder Brücken an. Normalerweise läuft das folgendermaßen ab: Viele lokale Berühmtheiten und Politiker stellen sich in einer Reihe auf, und in der Mitte steht der Minister oder der örtliche Gouverneur. Dann wird ein Band durchgeschnitten, und wenn die Bauleiter in ihre Büros zurückkehren, finden sie dort Briefe der Anerkennung und Wertschätzung vor.

Die Leute, die diese Tunnels und Brücken tatsächlich gebaut, die die Hacken und die Schaufeln in die Hand genommen haben, die bei der Arbeit im Sommer in der Hitze geschwitzt und im Winter in der Kälte geschlottert haben, die bekommt man nie zu sehen. Es sieht so aus, als kämen diejenigen, die nicht im Schweiße ihres Angesichts geschuftet haben, besser weg.

Ich will nie aufhören, jemand zu sein, der die Gesichter sieht, die nicht gesehen werden, die Gesichter derer, die weder Ruhm noch Ehre suchen, die schweigend die Rolle spielen, die das Leben ihnen zugewiesen hat. Ich möchte das können, weil die wichtigsten Dinge – die, die unser Leben formen – niemals ihr Gesicht zeigen.

Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com

Nach oben | Kategorie: Paulo-Coelho | #

Kommentare