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Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho: "Liebe lässt sich nicht zähmen" · 14.09.14

Hier redet der Bestseller-Autor Paulo Coelho (“Der Alchimist”) so privat wie nie.
Exklusiv: die fünf Säulen seines Lebens

Über seine Wurzeln
Dieses Nicht-Aufgeben, es beginnt am 24. August 1947 in Rio de Janeiro – mit meine Geburt:
eine Totgeburt. Erstickt am Fruchtwasser, sagen die Ärzte. Sie rufen den Priester für die letzte Ölung. Meine Eltern beschwören den Heiligen Joseph, den Schutzheiligen der Klinik. Bis ein Wimmern ihr Flehen unterbricht: Ich lebe, wenn auch zaghaft – und werde ein gesundes, quirliges Kind.
Besonders prägt mich mein Onkel Jasé. Er ist ledig, trägt meist einen Blaumann, und jeder hat an ihm zu nörgeln. Er gibt viel Geld für einen Farbfernseher aus und stellt ihn dann auf den Fußweg, damit auch die Nachbarn gucken können – durch Gesten wie diese bringt er mir bei, mit dem Herzen zu sehen. Zu machen, was man wirklich will, unabhängig davon, was andere meinen.
Meinen Geburtstag übrigens feiere ich stets zweimal: am 24. August – und am 19. März. Das ist der Tag des Heiligen Joseph.

Über die Liebe
Sie ist mein Schmetterling: anmutig, sanft und wunderschön – Christina, eine Architektin, Künstlerin, Tarotspezialistin. Ihr Onkel hat meine Schwester Sonia geheiratet. Zehn Jahre liefen wir aneinander vorbei, ohne uns wirklich zu sehen.Und dann war es Liebe. Mit einem Mal. Ich kann gar nicht sagen, was Christina so besonders macht. Ich liebe sie einfach. Sie ist meine Seelenverwandte. Sie lässt mich lächeln, wenn ich müde bin. Sie schenkt mir Ruhe und Frieden. Ich liebe Chris heute nicht mehr oder weniger als damals: 1979, als wir zusammenkamen. Nein, meine Liebe ändert sich nicht; ist da wie ein Leuchtturm in der Brandung. Ich musste allerdings lernen, meine Angst zu akzeptieren, dass ich Chris verlieren, dass sie mich verletzen könnte. Denn die Liebe ist frei. Sie lässt sich weder durch unseren Willen noch durch unsere Taten zähmen. An einem Sonntag, am 22 Juni 1980 heirateten wir – ein festliches Mittagessen, zu dem wir Eltern, Freunde, Verwandte einluden. Unsere ehe wurde nie offiziell besiegelt. Wir beide aber tragen am linken Unterarm ein kleines blaues Tattoo: einen Schmetterling.

Über den 6. Sinn
Ein sonniger Tag 1987, ich bin zur Taufe meiner kleinen Nichte eingeladen: nach Baependi, in die Kirche der Heiligen Nhá Chica. Nebenan steht eine Hütte. Zwei Zimmer, ein kleiner Altar. Nhá Chica widmet ihr Leben den Armen, sie sammelte Geld für den Bau einer Kapelle – heute ein Wallfahrtsort. Als Andenken an den bewegenden Tag kaufe ich ein Bild von Nhá Chica.
Auf der Rückfahrt nach Rio macht ein Bus vor mir eine Notbremsung. Ich kann mit meinem Wagen ausweichen. Das Auto nach mir stößt mit dem Bus zusammen. Es gibt eine Explosion. Verletzte. Ich greife in meine Hosentasche und habe auf einmal das Bild von Nhá Chica in der Hand. Es ist eine Stumme Botschaft, das Zeichen, dass sie mich beschützt. Seitdem begleitet mich dieses Bildchen auf all meinen Reisen. Denn ich vertraue meinem sechsten Sinn mehr als meinen anderen fünf Sinnen.

Über seinen Traum
Marcia war 16, hatte braune Augen und lange Beine. Ich? War 17, ein 50 Kilo-Hänfling, der nicht Fußball spielen konnte.In Brasilien! Mädchen schauten durch mich hindurch. Marcia aber schmolz meinetwegen dahin – weil ich über Bücher erzählen konnte oder Gedichte aufsagte. Ich malte Herzen auf den Asphalt, so verliebt war ich. Ihre Eltern waren gegen uns, versprachen ihr neue Kleider, wenn sie mit mir Schluss macht. Meine Liebe gegen zwei Kleider!
Ich litt, doch mir ist auch etwas bewusst geworden: Beim Lesen, beim Schreiben war ich in einer anderen Welt. Meiner Welt. Hier konnte ich sein, wie ich bin. Hier bestimmte ich die Spielregeln, niemand störte sich an meinem Aussehen. Mein Ziel, mein großer Traum war auf einmal ganz klar: Ich wollte Schriftsteller sein – egal, wie beschwerlich es bis dahin werden würde…

Über Energie
Meine Lebensquelle ist mein Glaube an Gott. Darüber hinaus habe ich ein paar feste Rituale, die mir für meinen Alltag Kraft geben. Spazieren gehen zum Beispiel. Jeden Tag, bei Wind und Wetter, bin ich morgens nach dem Frühstück eine Stunde unterwegs. Am liebsten lasse ich mich treiben. Ohne festes Ziel, so meine Erfahrung, bist du offen für neue Eindrücke. Und das ist es, was ich als unglaublich belebend empfinde. Neues entdecken. Neue Welten, neue Wege. Ganz ehrlich: Glücklich und zufrieden zu sein, hatte nie die oberste Priorität in meinem Leben.
Ich bin nicht zufrieden! Ich möchte viel lieber zweifeln. Wenn du nicht mehr zweifelst,bist du auf deinem Weg stehen geblieben. Ich aber möchte jeden Tag ein neues Geheimnis lüften. darin liegt das Wunder des Lebens, weil es jeden Tag anders macht. Das ich dabei meinen Ängsten begegne und manchmal eine Niederlage erfahre – auch das gibt mir Energie. Denn wenn du keine Hindernisse überwinden musst, keine Narben davongetragen hast, wirst du deine Siege, deinen Erfolg niemals schätzen können.

Mehr über den Bestseller-Autoren und seine Bücher:
www.paulocoelhoblog.com

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