Eine alte Geschichte erzählt von Bescos, einem Städtchen in den Pyrenäen, indem es von undurchsichtigen Händlern, Schmugglern und vaterlandslosen Gesellen nur so wimmelte. Der Allerschlimmste von allen war ein Araber namens Ahab gewesen, bis ihn ein in dem Ort lebender Mönch bekehrte: Savinius.
Ahab fand, dass es so mit seiner Stadt nicht weitergehen könne. Er wurde von allen gefürchtet und galt als Bösewicht, doch er wollte die anderen nicht wie früher einschüchtern und so zu einer Änderung bewegen.
Er kannte seine Mitbürger: Sie würden Ehrlichkeit für Schwäche halten und seine Macht gleich infrage stellen.
Er ließ daher aus einem Nachbardorf ein paar Zimmerleute kommen, gab ihnen ein Papier mit eine Zeichnung und wies sie an, sich dort, wo heute das Kreuz das Städtchen überragt, an die Arbeit zu machen. Zehn Tage und Nächte lang hörten die Bewohner des Ortes das Hämmern, sahen sie die Männer Holzteile sägen und miteinander verschrauben.
Am Ende der Frist wurde mitten auf dem Platz ein Ungetüm aufgestellt und mit einem Tuch verhüllt. Ahab rief alle Bewohner zusammen, damit sie an der Einweihung des Denkmals teilnahmen. Wortlos entfernte er das Tuch.
Darunter hervor kam ein Galgen.
Mit Seil, Falltür und allem. Nagelneu, mit Bienenwachs bestrichen, damit er den Unbilden des Wetters lange standhalten würde.
Ahab nutzte die Anwesenheit der Bewohner, um eine Reihe von Gesetzen zu verlesen, die die Bauern schützten, die Viehzucht förderten. Außerdem versprach er Prämien für alle, die neue Geschäfte in die Region brachten. Umgekehrt mussten fortan alle, die keiner ehrbaren Arbeit nachgingen, die Stadt verlassen.
Das frischeingeweihte “Denkmal” erwähnte er mit keinem Wort. Ahab glaubte nicht an Drohungen.
Als die Versammlung aufgelöst war. bildeten sich mehrere Gruppen. Die meisten meinten, der Mönch müsse Ahab verhext haben, denn er habe nicht mehr die Durchsetzungskraft von früher, und darum müsse man ihn töten.
In den folgenden Tagen wurden viele Pläne in dieser Richtung geschmiedet. Aber alle sahen täglich den Galgen mitten auf dem Platz. Und sie fragten sich, wozu er dort stand: “Sollen etwa diejenigen, die die neuen Gesetze missachten, an ihm gehenkt werden?” “Wer ist auf Ahabs Seite und wer nicht?” “Gibt es Spione unter uns?”
Der Galgen schaute die Leute an und die Leute den Galgen. Ganz allmählich wich bei ihnen der anfängliche Mut der Angst. Der Ahab von früher stand in dem Ruf, seinen Willen unbarmherzig durchzusetzen.
Einige Leute verließen die Stadt, andere probierten die vorgeschlagenen neuen Arbeiten aus, einerseits, weil sie nicht wussten, wohin sie gehen sollten, aber auch unter dem Einfluss des Tötungswerkzeuges mitten auf dem Platz.
Es dauerte nicht lange, da herrschte Frieden im Ort. Er wurde zu einem großen Handelszentrum an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien, exportierte die beste Wolle und produzierte erstklassigen Weizen.
Der Galgen stand dort zehn Jahre lang: Das Holz war haltbar, doch das Seil musste regelmäßig ausgetauscht werden. Gebraucht wurde er nie. Ahab verlor nie ein Wort über den Galgen. Allein der Anblick reichte, um Mut in Angst, Vertrauen in Misstrauen, laute Prahlerei in stille Resignation zu verwandeln.
Zehn Jahre, nachdem in Bescos die neuen Gesetze Einzug gehalten hatten, ließ Ahab den Galgen abbauen und an seiner Stelle ein Kreuz errichten.
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