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Impressionen und Geschichten



Neues

Paulo Coelho: "Die Worte der Weisen" · 12.10.09

Kazantzakis und Gott
Nikos Kazantzakis, der Autor der Bücher “Alexis Sorbas” und “Die letzte Versuchung”, war ein konsequenter Mensch. Obwohl er in vielen Büchern – wie beispielsweise in seiner ausgezeichneten Biografie des heiligen Franz von Assisi – religiöse Themen angesprochen hat, hat er sich selbst immer als einen überzeugten Atheisten bezeichnet. Nun, dieser überzeugte Atheist hat eine der schönsten mir bekannten Definitionen Gottes so formuliert:
“Wir schauen staunend zum obersten Punkt der Spirale der Kraft, die das Universum regiert. Und wir nennen ihn Gott. Wir könnten ihm jeden anderen Namen geben: Abgrund, Mysterium, vollkommene Finsternis, strahlendes Licht, Materie, Geist,höchste Hoffnung,tiefste Verzweiflung, Stille.
Aber wir nennen ihn Gott, nur weil dieser Name aus unerfindlichen Gründen in der Lage ist, kräftig an unserem Herzen zu rütteln. Und dieses Rütteln ist zweifellos unabdingbar, um den Menschen Verbindung mit seinen grundlegenden Gefühlen aufnehmen zu lassen, die sich jeder logischen Erklärung entziehen.”

Ben Abuyah und die Lehrzeit
Der Rabbiner Elisha ben Abuyah pflegte zu sagen:
“Diejenigen, die offen für die Lektionen des Lebens sind und ohne vorgefasste Meinung an Neues herangehen, sind wie ein unbeschriebenes Blatt Papier, auf das Gott mit göttlicher Tinte seine Worte schreibt.
Diejenigen, die die Welt immer mit Zynismus und Vorurteilen betrachten, sind wie ein beschriebenes Blatt Papier, auf das keine neuen Worte passen.
Kümmere dich nicht um das, was du bereits weißt oder noch nicht weißt. Denke weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft, lasse einfach nur zu, dass Gottes Hand jeden Tag wieder die Überraschungen der Gegenwart zeichnet.”

Begona und der Rhythmus
“Bei Ihren Ausführungen über den Jacobsweg haben Sie etwas Wichtiges vergessen”, sagte mir eine Pilgerin, als wir die Casa de Galicia in Madrid verließen, wo ich soeben einen Vortrag gehalten hatte.
Ganz gewiss hatte in meinem Vortrag eine ganze Menge gefehlt, denn ich wollte ja schließlich nichts anderes, als meine Zuhörer an meiner Erfahrung teilhaben zu lassen. Dennoch lud ich die Pilgerin zu einer Tasse Kaffee ein, weil ich neugierig war, zu erfahren, was sie als bedeutsame Auslassung bezeichnete.
Und Begona – so hieß sie – sagte:
“Mir ist aufgefallen,dass die meisten Pilger – egal ob auf dem Jacobsweg oder auf den anderen Wegen des Lebens – immer versuchen, dem Rhythmus anderer zu folgen.
Zu Beginn meiner Pilgerreise nach Santiago versuchte ich immer, mit meiner Gruppe zusammenzubleiben. Das ermüdete mich und strengte meinen Körper enorm an. Ich war angespannt und bekam immer mehr Probleme mit den Sehnen am linken Fuß. In den zwei Tagen, an denen ich nicht gehen konnte, wurde mir klar, dass ich nur dann nach Santiago schaffen würde, wenn ich meinen eigenen Rhythmus folgte.
Ich brauchte länger als die anderen. Ich musste viele Strecken allein gehen und konnte den Weg nur beenden, weil ich auf meinen eigenen Rhythmus achtete. Seither wende ich das auf alles an, was ich im Leben tun muss:
Ich gebe mir die Zeit, die ich dazu brauche.

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www.paulocoelhoblog.com

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